Die Zahl der polizeilich registrierten Straftaten im Bereich der Hasskriminalität in Bayern ist im Jahr 2025 erneut gestiegen. Das zeigt das aktuelle Lagebild des Bayerischen Landeskriminalamts. Innenminister Joachim Herrmann stellte die Zahlen heute vor. Im Jahr 2025 registrierte die Polizei insgesamt 2.084 Straftaten. Das sind 3 Prozent mehr als im Jahr zuvor (2024: 2.021). Über 70 Prozent dieser Taten waren politisch rechts motiviert (1.459). Besonders häufig handelte es sich um fremdenfeindliche (1.891), ausländerfeindliche (785) und antisemitische Straftaten (543). Die Zahl der Opfer reduzierte sich von 296 im Jahr 2024 auf 231 im Jahr 2025. Herrmann betonte: "Hasskriminalität ist ein Angriff auf unsere Werte und unser Zusammenleben. Wir lassen keinen Raum für Intoleranz und gehen konsequent gegen jede Form von Hass und Hetze vor." Der Minister stellte verschiedene Maßnahmen vor, mit denen Hasskriminalität noch stärker bekämpft und ihr vorgebeugt werden soll.
Herrmann erklärte, dass Hasskriminalität eine besonders verwerfliche Form von Straftaten ist. Menschen werden dabei gezielt angegriffen – etwa wegen ihrer Herkunft, Hautfarbe, Religion, sexuellen Orientierung oder ihres Geschlechts. "Der Anstieg bei fremdenfeindlichen und ausländerfeindlichen Straftaten bereitet mir große Sorgen. Bei den antisemitischen Straftaten gab es zwar einen Rückgang um 6 Prozent, aber jeder einzelne Vorfall ist einer zu viel." Die Zahl der Straftaten gegen lesbische, schwule, bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche sowie queere und asexuelle Menschen ist von 176 auf 180 gestiegen. Herrmann wies darauf hin, dass die Statistik nur die Fälle zeigt, die der Polizei bekannt sind: "Wir müssen von einer hohen Dunkelziffer ausgehen. Nur wenn Betroffene Anzeige erstatten, kann die Polizei helfen und Täter ermitteln."
Die Aufklärungsquote zeigt: Im vergangenen Jahr konnten über 64 Prozent der angezeigten Fälle aufgedeckt werden. "Jede Anzeige erhöht die Chance, Täter zur Verantwortung zu ziehen", so Herrmann. Die meisten Tatverdächtigen im Bereich der Hasskriminalität sind deutsche Staatsbürger. 2025 hatten 1.211 von insgesamt 1.459 Tatverdächtigen die deutsche Staatsangehörigkeit. Zudem handelt es sich weit überwiegend um Männer (1.219). Insgesamt wurden 760 Straftaten im Internet begangen. "Trotz einer hohen Aufklärungsquote von über 76 Prozent bleibt Hasskriminalität im Netz ein ernstes Problem", erklärte Herrmann. Die Zahl der Tatverdächtigen im Alter von 14 bis 23 Jahren bleibt mit 284 weiterhin hoch. "Das dürfte vor allem mit der hohen Zahl von Straftaten im Internet zusammenhängen." Hasskriminalität ist häufig rechtsmotiviert. Herrmann: "Rechtsextremismus hat in unserer Gesellschaft keinen Platz. Wir müssen uns jeden Tag für Freiheit, Menschenwürde und Gleichberechtigung aktiv einsetzen."
Der Innenminister machte deutlich, dass der weitere Anstieg der Hasskriminalität nicht tatenlos hingenommen wird. Er stellte eine Reihe konkreter Maßnahmen zur Bekämpfung vor. Neben einer konsequenten Strafverfolgung spielt die Prävention dabei eine wichtige Rolle. Dazu gehören unter anderem feste Ansprechpartner bei den Polizeipräsidien sowie der Beauftragte der Bayerischen Polizei zur Bekämpfung von Hasskriminalität, insbesondere Antisemitismus, beim Bayerischen Landeskriminalamt.
Der Präsident des Bayerischen Landeskriminalamts, Norbert Radmacher, sagte: "Hasskriminalität greift den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Kern an. Umso wichtiger ist ein abgestimmtes Vorgehen aller Akteure. Der Bayerische Beauftragte gegen Hasskriminalität, insbesondere Antisemitismus, übernimmt hier eine zentrale Koordinierungsfunktion, bringt Polizei, Generalstaatsanwaltschaften und Nichtregierungsorganisationen eng zusammen und sorgt in diesem Netzwerk für ein konsequentes und sensibles Vorgehen. Nur durch diese vernetzte Zusammenarbeit können wir Hass wirksam entgegentreten und das Vertrauen in den Rechtsstaat stärken."
Auch vor Ort gibt es zahlreiche Initiativen. Um Betroffenen entsprechende Beratung anbieten zu können, wurde zwischenzeitlich bei den Polizeipräsidien Mittelfranken, München und Oberpfalz der sogenannte Proaktive Beratungsansatz umgesetzt. Mit dem jeweiligen Einverständnis der Betroffenen werden deren Erreichbarkeiten an Beratungsstellen weitergegeben. Diese nehmen dann zeitnah Kontakt mit den Betroffenen auf. Im Juli 2025 startete außerdem der Thementag Hasskriminalität in der Ausbildung der 2. Qualifikationsebene (ehemals mittlerer Dienst) bei der Bayerischen Polizei. Dabei sollten die angehenden Polizistinnen und Polizisten für das Thema Menschenfeindlichkeit sensibilisiert werden. Daneben gibt es das Austauschformat "blue meets queer", bei dem die Polizei und queere Organisationen miteinander ins Gespräch kommen.
"In Bayern dulden wir keinen Hass – egal ob Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit oder Fremdenhass. Wir verstärken unseren Einsatz, damit Täter sich in Bayern nicht sicher fühlen können und Betroffene Unterstützung erhalten", betonte Herrmann abschließend.
Das Lagebild zur Hasskriminalität 2025 des Bayerischen Landeskriminalamts finden Sie unter folgendem Link: https://www.gegenhass.polizei.bayern.de/wie-ist-die-lage/index.html.
