In Gedenken und Würdigung der herausragenden Lebensleistung des in Fürth geborenen ehemaligen US-Außenministers Henry Kissinger soll eine Stiftung gegründet werden. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hat stellvertretend für den Freistaat Bayern zusammen mit dem Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC), Wolfgang Ischinger, und der Kissinger-Vertrauten und Biographin Evi Kurz am Rande der MSC eine entsprechende Absichtserklärung unterzeichnet. Die 'Stiftung Henry Kissinger Haus Fürth' soll den Zweck verfolgen, Wissenschaft, Forschung und Bildung rund um das Lebenswerk von Henry Kissinger sowie die internationale Gesinnung, die Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und den Völkerverständigungsgedanken zu fördern.
Joachim Herrmann: “Henry Kissinger verkörpert wie kaum ein anderer die transatlantische Bindung zwischen Bayern und den USA. Ihm schenkte die Weltgemeinschaft Gehör und er war eine der größten Autoritäten für Außenpolitik in der Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit einer Stiftung in seinem Namen wollen wir ihm gemeinsam ein Andenken sichern und einen Impuls dafür setzen, an einer stabilen und sicheren Welt mitzuwirken.“
Dr. Florian Herrmann, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei: “Henry Kissinger war ein bedeutender Staatsmann des 20. Jahrhunderts. Als US-Außenminister hat er die internationale Politik maßgeblich geprägt. Als Chefdiplomat in herausfordernden Zeiten und als scharfsinniger Analytiker stand er sein ganzes langes Leben für die Balance zwischen Stärke und Annäherung. Mit der geplanten Stiftung würdigen wir sein herausragendes Lebenswerk und seine enge Verbundenheit mit seiner Geburtsstadt Fürth. Die Stiftungsinitiative birgt großes Potenzial für Forschung, Bildung und internationale Vernetzung und wird den Wissenschafts- und Diskursstandort Bayern nachhaltig stärken.“
Wolfgang Ischinger: "Es ist mir eine große Ehre, heute gemeinsam mit Evi Kurz und dem Freistaat Bayern die Stiftung Henry Kissinger Haus Fürth ins Leben zu rufen – in Gedenken und Würdigung eines großen Staatsmannes und wahren Transatlantikers. Deutschland und die transatlantische Allianz verdanken Dr. Henry Kissinger viel - und auch die Münchner Sicherheitskonferenz ist ihm zu großem Dank verpflichtet. Seit ihrer Gründung war Henry Kissinger ein enger Wegbegleiter und Unterstützer der Konferenz. Er nahm 1963 an der ersten Münchner Sicherheitskonferenz, damals unter dem Namen „Wehrkunde,“ teil und war seitdem regelmäßiger Gast. 2009 war er der erste Preisträger des von der MSC verliehenen Kleist-Preises, benannt nach ihrem Gründer, Ewald von Kleist, mit dem Henry Kissinger über viele Jahrzehnte hinweg in engem Austausch stand. Für mich persönlich war Henry über Jahrzehnte hinweg ein väterlicher Freund und strategischer Mentor. Kissingers Worte bei der Verleihung des Preises griffen seine zeitlebens tiefe Verbindung zu seinem Heimatort Fürth auf – eine Verbindung, die zu einer Brücke zwischen den USA und Deutschland wurde und die die Gründung der Stiftung in Fürth begründet."
Evi Kurz: “Ich bin glücklich, dass wir diese bedeutende Stiftung errichten, und sehe es als großes Zeichen der Versöhnung und des Verzeihens, dass die Familie Kissinger der Stiftung nicht nur zustimmt, sondern David Kissinger, Henry Kissingers Sohn, sich auch aktiv in sie einbringen wird. Fürth ist auch der richtige Ort.“
Evi Kurz erinnerte an Henry Kissingers bewegenden Rede anlässlich der Feier seines 100. Geburtstags in Fürth, bei der er am 20. Juni 2023 sagte: “Die Erinnerungen an meine Jugend haben mir durch schwierige Zeiten geholfen und mich in den konstruktiven Phasen meines Lebens inspiriert. (…) Der Heimat den Rücken zu kehren, war schmerzvoll, doch die Rückkehr nach dem Krieg in eine Gesellschaft, die sich dem Frieden, der Demokratie und dem Wohlstand verschrieben hatte, war erhebend. (…) Die Familie Kissinger erinnert sich gerne daran, wie glücklich und zufrieden etliche Generationen unserer Vorfahren hier in Bayern gelebt haben. Wir sind sehr stolz darauf, dass meine Wahlheimat mit meinem Geburtsland heute in der transatlantischen Gemeinschaft mit einer unverzichtbaren Partnership verbunden sind. (…) Als letzte Veranstaltung zu meinem 100. Geburtstag rundet sich der Kreis meines eigenen Lebens hier harmonisch ab. Ich danke ihnen allen, dass sie mir die Möglichkeit gaben, diesen Wunsch, den ich so viele Jahre hatte, heute hier zu vollenden.“
Henry Kissinger war bis zu seinem Tod im Jahr 2023 eine der prägendsten Persönlichkeiten der internationalen Politik des 20. Jahrhunderts. Als Außenminister der Vereinigten Staaten, Friedensnobelpreisträger und strategischer Denker hat er weltpolitische Entwicklungen über Jahrzehnte hinweg maßgeblich mitgestaltet. Er trug entscheidend zur Entspannung im Kalten Krieg bei und setzte sich für eine stabile Partnerschaft zwischen den USA und Deutschland ein. Er hat wie kein anderer die deutsch-amerikanische Beziehung geprägt und dabei als Brücke zwischen den beiden Nationen fungiert. Geboren in Fürth, verließ er mit seinen Eltern 1938 das von den Nationalsozialisten bedrohte Deutschland, um später in den USA eine außergewöhnliche Karriere zu starten. Henry Kissinger blieb dennoch zeitlebens eng mit seiner Heimatstadt Fürth, dem Freistaat Bayern und der Bundesrepublik Deutschland verbunden und er feierte 2023 in Fürth seinen 100. Geburtstag. Sein Leben und Wirken spiegeln nicht nur politische Weitsicht, sondern auch den engen kulturellen Austausch im Rahmen der transatlantischen Beziehungen wider.
