Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hält die aktuelle Rückkehrdebatte zu Syrien für richtig und wichtig: „Flüchtlingsschutz ist Schutz auf Zeit. Wenn sich die Lage in Herkunftsregionen dauerhaft verändert, brauchen Menschen verlässliche Perspektiven — sei es für eine sichere Rückkehr oder für dauerhaftes Bleiben in Deutschland. Aus meiner Sicht sollte die Bundesregierung jetzt folgende drei Punkte gemeinsam mit den Ländern forcieren“, so Herrmann.
- Bleibeperspektiven für gut integrierte Fachkräfte und ihre Familien, die bei uns bleiben wollen: Menschen, die integriert sind, den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie dauerhaft ohne Sozialleistungen bestreiten können und zum Beispiel im Gesundheitswesen einen wichtigen Beruf ausüben, sollen gerne bleiben. Das geltende Ausländer und Einbürgerungsrecht bietet hierfür schon heute viele Instrumente, die wir nutzen und falls nötig nachjustieren sollten. Allein von 2020 bis einschließlich 2024 sind in Bayern rund 28.000 Syrerinnen und Syrer eingebürgert worden.
- Klare Konsequenzen bei Straftätern und fehlender Integration sowie schnellere Verfahren: Wer straffällig geworden ist oder sonst keine Integrationsbemühungen zeigt, insbesondere wer trotz mehrjährigem Aufenthalt in Deutschland keinen Arbeitsplatz gefunden und kein richtiges Deutsch gelernt hat, muss Deutschland wieder verlassen – am besten freiwillig. Falls nicht, müssen die Personen abgeschoben werden. Der Bund muss jetzt die Möglichkeit für Abschiebungen schaffen. Und es gibt keinen Grund, syrische Asylbewerber, die erst nach dem Sturz des Assad-Regimes zu uns gekommen sind, gegenüber anderen Asylbewerbern zu privilegieren. Das heißt: Wer keinen Flüchtlingsschutz erhält, muss wieder gehen. Verfahren zur Prüfung und zum Widerruf von Flüchtlingsschutz und Aufenthaltsrecht müssen — wo rechtlich möglich — vereinfacht und beschleunigt werden.
- Gezielte Unterstützung für freiwillige Rückkehr und Wiederaufbau: Wir brauchen koordinierte Wiederaufbauhilfe vor Ort und unbürokratische Unterstützung der freiwilligen Rückkehr in die Heimat, auch mit Prämien. Das schafft Perspektiven und Verlässlichkeit für die Menschen.
Laut Herrmann lebten zum Stand Ende Februar 2026 rund 88.000 Syrer in Bayern, davon knapp 42.000 mit einem befristeten Aufenthaltstitel wegen der Zuerkennung eines Schutzstatus. Bei weiteren rund 11.600 Syrern in Bayern ist das Asylverfahren derzeit noch nicht rechtskräftig abgeschlossen. Etwa 920 Personen sind aktuell ausreisepflichtig. Zudem befinden sich derzeit bei der Taskforce Straftäter des Landesamtes für Asyl und Rückführungen 218 schwere Straftäter mit syrischer Staatsangehörigkeit in Bearbeitung, deren Aufenthaltsbeendigung für die Staatsregierung oberste Priorität hat.
Die Beschäftigungsquote der in Bayern lebenden Syrerinnen und Syrer liegt laut den Statistiken der Bundesagentur für Arbeit aktuell bei 50,6 Prozent (Bundesdurchschnitt: 46,8 %). Insgesamt gibt es im Freistaat rund 29.000 sozialversicherungspflichtig beschäftigte Syrer; davon sind circa die Hälfte auf Fachkraftniveau oder höher tätig. Die Zahl der Arbeitslosen liegt bei rund 10.500, die Arbeitslosenquote unter den in Bayern lebenden Syrern bei 25,8 Prozent (Bundesdurchschnitt: 32,1 %). Herrmann: “Die Zahlen belegen eindrucksvoll, dass uns bei vielen syrischen Staatsangehörigen die Integration in Arbeit sehr gut gelingt. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass auch nach zehn Jahren leider manche syrischen Flüchtlinge weder Deutsch sprechen können noch einen Arbeitsplatz gefunden haben.“
